Wir vor kurzem angekündigt, mein Artikel zum Thema “Abhängigkeit”.
Es waren einmal drei findige PayPal-Arbeiter, die die tolle Idee hatten: „Hey, wir müssen eine Seite erschaffen, auf dem alle Menschen weltweit Videos hochladen und ansehen dürfen!“ Und dieses Vorhaben setzten sie in die Tat um. Das Ergebnis dürfte jedem, der mehr als zehn Minuten im weltweiten Netz verbracht hat, bekannt sein: YouTube. Damit schufen diese drei findigen Arbeiter eine neue Droge, an die jeder rankommt. Jeder kennt es, alle nutzen es, keiner kommt mehr ohne aus. Eine erschreckende Tatsache, der sich kaum jemand bewusst ist.
Wie backe ich einen Käsekuchen richtig? YT weiß es. Gibt es Menschen, die gerne Kot essen? YT hat die Antwort. Gibt es schon ein neues Video von Edguy? Auch hier weiß YT bescheid. Dank diesem Videoportal hat jeder einen Veröffentlichungswahn und muss nun jeden Mist (leider auch wortwörtlich) hochladen, damit andere sich an diesen Abstrusitäten ergötzen dürfen. Vielleicht werde ich einfach nur alt oder bin zu altmodisch für diese Welt, hat man doch früher in einem Koch- und Backbuch nach Rezepten gesucht oder stundenlang MTV geschaut, in der Hoffnung, der Lieblingsclip würde bald laufen. Und wenn das nicht der Fall war, hat man sich wenigstens das passende Lied dazu als Tape gekauft. Heutzutage braucht man das nicht mehr. Selbst Filesharing-Programme sind außer Mode, da es genug Leute gibt, die wirklich jedes einzelne Lied eines Interpreten veröffentlichen und passend dazu das Cover (als Standbild, wohlgemerkt) des Lieds hinklatschen. Nun muss der geneigte Internet-Nutzer sich seine Lieblingslieder nur noch unter seine Favoriten speichern und hat die komplette Musikwelt vor sich, ohne einen Cent dafür bezahlt zu haben. Aber was ist schlimmer, als das? Genau – Leute, die einem viertelstündlich einen Link schicken mit der Betonung, wie toll dieses Lied (neben den anderen Dreihundertmillionen anderen) ist.
Zugegeben nutze ich dieses Angebot auch manchmal, da es im Netz nicht wirklich eine Alternative gibt, um sich Lieder zumindest vorab einmal anzuhören. Zumindest keine, wo es sich nicht um eine 30-Sekunden-Trial handelt. Dennoch finde ich es lächerlich, ein Videoportal als Musikparadies zu nutzen, wo man eigentlich nichts sieht, sondern nur hört. Wäre interessant zu wissen, wie die Rechtslage bei so was eigentlich ist …
Normalerweise wirft man dem Fernsehen vor, es würde die Leute verdummen. Doch mit der Zeit verschieben sich die Dimensionen. So setzen die Leute das um, was sie durch das Fernsehen gelernt haben und stellen alle ihre sinnlosen Videos zur Verfügung. So kann wirklich jeder Idiot sich und seine Videos der Welt präsentieren. Und keiner beschwert sich, YT würde die Leute verdummen. Natürlich besonders, wenn man bedenkt, dass viele Videos aus dem Fernsehen aufgenommen wurden, damit niemand mehr seine Kiste anschalten muss. Stattdessen schaut die Welt jetzt per YT fern und die Volksverdummung greift nun über verschiedene Medien über. Über dieses Phänomen wissen auch die Fernsehsender bescheid. So stellt das ZDF viele seiner Reportagen dem Portal zur Verfügung. Auch RTL beteiligte sich an einem andern Videoportal, Clipfish, gefolgt von ProSiebenSat.1 Media, die ebenfalls auf den Zug der Web 2.0-Nutzung aufsprangen und krallten sich MyVideo. Nun darf der ganze Schund vom Fernsehen einfach so übertragen werden und keiner merkt es.
Doch die Mehrheit der Videos sind keine polierten Reportagen der Großkonzerne. Da natürlich jeder seine Videos bereit stellt, gibt es natürlich haufenweise unnütze Videos (wie weiter oben exemplarisch dargestellt). Ich will nicht behaupten, dass es nicht auch wirklich interessante oder witzige Videos gibt. Aber gerade diese sucht man teilweise hoffnungslos in einem Gewühle voll mit Schwachsinn, an dem sich jeder beteiligen möchte. Und auch, wenn meine gefühlten 95% völliger Unfug sind, gehe ich trotzdem immer wieder auf diese Seite. Ich will sie nicht unbedingt nutzen, aber komme nicht davon los. Sie hat sich so etabliert und sollte in einem Zug mit Google, Wikipedia und Jack’s Blog genannt werden, als eine der größten und am häufigsten genutzten Seiten im Netz.
Und was lernen wir aus dem Web 2.0? Erfinde ein neues Konzept, programmier diesen Unsinn, lass andere diese Seite füllen und Spaß haben, dann verschleudere dein Konzept an irgendwelche Interessenten und lass es dir gut gehen (Zur Info: Google hat YT für umgerechnet 1,31 Milliarden Euro (in Aktien) geschluckt).
Web 2.0 – Wir machen die Arbeit, die bekommen das Geld.